Gärtnern lehrt Geduld

von Lilly Dippold

Jaja, ich weiß, Geduld ist eine Tugend, leider eine von jenen, mit der ich mir seit jeher schwer tu. Doch unser ehrgeiziges Selbstversorgerprojekt lehrt mich von Tag zu Tag mehr, dass alles seine Zeit hat und Gras nicht schneller wächst, wenn man dran zieht …

 

Die meisten Samen, die wir zum Vorziehen unserer Hochbeetpflanzen ausgesät haben, sind gut aufgegangen. Beeindruckt stellen wir fest, dass Basilikum schon in seinen ersten beiden Blättern nach den Keimblättern nicht nur aussieht wie Basilikum, sondern auch bereits in seiner zarten Größe von grade mal drei Zentimetern den typischen Duft verströmt.

Unsere Buschbohnen wachsen uns bereits quasi über den Kopf und auch Gurke, Honig- und Wassermelonen gedeihen prima auf unseren sonnigen Fensterbrettern. Das wochenlange Hegen und Pflegen dieser Minis hilft mir dabei, meine Ungeduld zu zähmen: Nein, sie kommen noch nicht ins Hochbeet, ja, wir warten bis nach den Eisheiligen. Es würde mir schier das Herz brechen, wenn doch noch eine frostige Nacht all unsere Mühen und Zuwendungen zunichte machen würde.

Einzig die Hokkaido-Kerne wollten und wollten nicht keimen, so sehr wir sie auch jeden Tag motivierend betrachteten. Erst ein zweiter Versuch mit neuen Kernen brachte ein rasches und beeindruckendes Wachstum hervor. Manchmal klappt es eben nicht auf Anhieb.

Auch das Warten auf unsere Säulenobstbäumchen zerrte an meiner Ungeduld. Ehrlich gesagt war ihr Eintreffen dann ein wenig enttäuschend: Die Stämmchen sind ziemlich klein, haben wenige Blätter – die Idee, schon heuer die eine oder andere Kirsche, Birne, Marille oder Nektarine zu ernten hat sich da rasch zerstreut. Ein gutes Jahr warten, womöglich sogar zwei oder … Nein, so weit mag ich gar nicht denken!

Lieber erfreue ich mich an den Radieschen, die an den Wurzelansätzen schon rot gefärbt sind und wohl nicht mehr (sehr) lange auf sich warten lassen werden. Und während meiner täglichen Gießrunden erkenne ich, wie sehr es mich gerade in diesem Jahr lehrt, auch dem Wandel jene Zeit zuzugestehen, die es eben braucht, bis das Neue (endlich) landen kann. Bis dahin gilt es eben sich an den Dingen zu erfreuen, die bereits da sind. Ob das nun meine Hochbeete sind, meine Familie, meine Hunde oder mein geliebter Garten.

Ja, es gibt Vieles, worüber wir glücklich und dankbar sein können, während wir der Neuen Zeit mit Geduld entgegensehen!

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